Richtungsentscheidung zur Anpassung an den Klimawandel notwendig

Veröffentlicht am 10.03.2021 in Ortsvereine

2. Runder Tisch der SPD mit konkreten Umsetzungsideen 

 

Der Schlangenbader Gemeindewald ist durch die Dürre der letzten drei Jahre massiv geschädigt. Das ist die Zusammenfassung des Waldzustandsbericht zum Schlangenbader Gemeindewald von Bernd Leichthammer, ehemaliger Revierförster des Schlangenbader Waldes. Der Bericht ist auf der SPD-Internetseite (rechts) unter Informationen - Download verfügbar.

 

Nach der aktuellen Waldzustandserhebung des Bundes sind vier von fünf Bäumen durch Wassermangel geschädigt, was leicht an lichten Kronen zu erkennen ist. Selbst die Buche ist massiv geschädigt. Die EU schlägt als Möglichkeit vor, dass mindestens 10% aller Waldflächen zu Wildnisflächen ohne wirtschaftliche Nutzung erklärt werden, damit dem Wald eine Chance zur Erholung gegeben wird, so Gernot Besant.

29 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Schlangenbad und der Umgebung nahmen an der zweiten Online-Veranstaltung am 10.03.2021 der SPD Schlangenbad zum Umbau und der Revitalisierung des Schlangenbader Waldes teil. Johannes Freiling kümmerte sich um die technische Begleitung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, so dass alle sicher mit den Herausforderungen eines virtuellen Besprechungsraumes umgehen konnten.

 

Jan Stetter, der für Schlangenbad zuständige Forstamtsleiter, beschreibt die sehr häufig sichtbare Dramatik der Abholzung von ganzen befallenen Fichtenwaldflächen. „Dies ist notwendig, damit sich die neue Generation des Borkenkäfers nicht so schnell weiterverbreiten kann und benachbarte Waldflächen erhalten bleiben. Es bleibt uns keine andere Chance, da wir keine Möglichkeit haben, den Wald systematisch zu bewässern.“ 

 

Volker Diefenbach, studierter Forstwirt und Bürgermeister der Gemeinde mit dem größten hessischen Waldgebiet zeigt auf, „dass wir uns künftig von Überschüssen verabschieden können“. Durch die Waldbewirtschaftung entstand in den letzten Jahrzehnten ein Nettogewinn in etwa 200.000 Euro pro Jahr. Diese Einnahmen entfallen zukünftig. Zudem werden erhebliche Kosten für die Umgestaltung zum Schutz des Waldes, als auch die Wiederaufforstung notwendig. „Es gibt noch eine Übergangszeit, in der wir die schwarze Null anstreben, also die noch vorhanden Einnahmen aus der Waldbewirtschaftung für die Schäden aufwenden können. Dies wird perspektivisch nicht ausreichen. „Es geht aber nicht um Aktionismus. Der Richtungswechsel muss langsam beginnen, dass auch der Umgang mit neuen klimastabilen Konzepten, das notwendige Fachpersonal und neue Pflanzlinge überhaupt in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, denn die Probleme haben nicht nur wir!“

 

Bernd Leichthammer betont, dass gerade gezielt durchgeführte Wiederaufforstungen und die Vergabe von Baumpatenschaft, die Einbindung der nachfolgenden Generation sicherstellen. Die gezielte Wiederaufforstung durch Bürgerinnen und Bürger muss mit einem Etat in der Gemeindehaushalt versehen werden, da diese fachmännisch begleitet werden muss, damit die neu gesetzten Pflanzen eine Möglichkeit zum Wachsen erhalten. Die Schulen und Kindergärten sollen durch Angebote der Gemeinde systematisch in die Thematik eingeführt werden. Aber auch die Erwachsenen sollten durch regelmäßige Angebote von Waldführungen in der Gemeinde zunehmend für den Naturschutz problematisiert werden. Die durchgeführten Waldbegehungen der SPD im Oktober 2020 zeigen, dass hierzu ein starkes Interesse der Bevölkerung vorliegt. Michael Weigelt schließt an und ergänzt, dass die eingegangenen Spenden auch dafür zielgerichtet eingesetzt werden sollen.

 

Jan Stetter betont, „dass die Gemeinden den Forst beauftragen und nun statt Einnahmen, die notwendigen Ausgaben in den Haushaltsplänen einkalkulieren müssen“. Für die Gemeinde Schlangenbad ist 2021 die nächste 10 Jahresplanung (Forsteinrichtung) vorgesehen, in der durch die Gemeinde festgelegt wird, welche Ziele verfolgt werden. Darin werden mitunter die Ziele des Waldbewirtschaftung, des Wasserschutzes, des Schutzes der Natur und der Erholungsnutzen des Waldes abgewogen. 

 

Gernot Besant, der die Veranstaltung moderiert, sieht in der Gestaltung des 10 Jahres Planes eine entscheidende Aufgabe der zukünftigen Gemeindevertreter Ihrer Verantwortung für kommende Generationen, zum Schutz des Waldes und zum Umgang mit Klimawandel in Schlangenbad gerecht zu werden. Dazu ist die systemische Einbindung von externen Experten notwendig, z. B. in Form eines runden Tisches, welches die Erfahrung aus den drei Veranstaltungen der SPD Schlangenbad zum klimastabilen Wald zeigt. „Der klimagerechte Umgang mit dem Wald muss in langen Zeiträumen betrachtet werden. Deshalb muss neben der Einbindung von Waldexperten auch die Einbindung der Bevölkerung sichergestellt sein. Darüber hinaus müssen jetzt auf allen Ebenen die Weichen für die Reduzierung der Folgen des Klimawandels gestellt werden“, so der Vorsitzender der Schlangenbader SPD.

 

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